Der böhmische Graf Richard Coudenhove-Kalergi und Ida Roland, seine aus jüdischer Familie stammende Frau, empfanden den Untergang des Habsburgerreiches als Verlust eines Vaterlandes, in dem man Patriot und Weltbürger zugleich sein konnte. Sie verschrieben sich der Mission, auf europäischer Ebene das zu kreieren, woran die Donaumonarchie gescheitert war: eine multiethnische Nation, in der Kosmopoliten und Minderheiten keine bedrohten Außenseiter sind. Dem verwegenen Projekt lag eine klare geopolitische Vorstellung zugrunde. Es galt, ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands gegen die atlantische Welt zu verhindern und Mitteleuropas Anschluss an den liberalen Westen zu sichern. Damit trat "Paneuropa" in Konkurrenz zu gegenläufigen Großraumplänen - wie dem pangermanischen "Mitteleuropa", der panangelsächsischen "Föderation atlantischer Demokratien", der nationalsozialistischen "Festung Europa" oder dem blockfreien "Europa der Dritten Kraft".
INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT ................................................................................................... 1
I. PANEUROPA ALS POLITISCHES PROJEKT (1918-1930) .......... 5
1. Richard GrafCoudenhove-Kalergi: Herkunft, Familie, Prägung ... 5
2. Bruch mit der Tradition: Bohemien, Philosoph und Literat........ 12
3. Eine Idee, ein Buch, eine Tat: Pan-Europa!.................................... 25
4. Agenda Setting: Die Paneuropa-Bewegung 1923-1926 ............... 47
5. Bewährungsprobe: Paneuropa 1927-1930 .................................... 68
II. OPTION FÜR DEN WESTEN (1931-1946)...................................... 91
1. Krisis: Die Paneuropa-Bewegung 1931-1932 ............................... 91
2. Containment: Die Paneuropa-Bewegung 1933-1940 .................. 103
3. Missbrauch, Überdauern und Erneuerung: Die Europa-Idee
während der NS-Zeit ................................................................... 124
4. Ringen um die Nachkriegsordnung: Richard CoudenhoveKalergi im US-Exil 1940-1946 ..................................................... 146
5. Im Schatten der Befreier: Restauration des europäischen
Staatensystems ............................................................................. 172
III. WESTBINDUNG ODER DRITTE KRAFT (1946-1947)............... 187
1. Neue Kontakte, ein neuer Plan: Coudenhoves Aufenthalt in
Europa 1946 .................................................................................. 187
2. Im Zeichen des West-Ost-Konflikts: Durchbruch der EuropaIdee in den USA........................................................................... 198
3. Formation der Pro-Europäer im Establishment: United Europe
Movement und verwandte Gruppen ......................................... 207
4. Formation der europaföderalistischen Bewegung: Die Union
Europeenne des Federalistes ...................................................... 218
5. »Eine Art Europäisches Parlament«: Die Europäische
Parlamentarier-Union.................................................................. 226
IV. VON GSTAAD NACH DEN HAAG (1947-1948).......................... 245
1. Gerangel am Start: Konflikte und Kooperationsversuche der
Europa-Verbände........................................................................ 245
2. Für eine Europäische Konstituante: Der Kongress von Gstaad .... 261
3. »...um ihr Programm den Regierungen aufzuzwingen«: Die
parlamentarischen Initiativen der EPU...................................... 272
4. Die Formel für Den Haag: Europäische Versammlung plus
Ministerrat................................................................................... 286
5. Durchbruch: Der Haager Kongress und die französischbelgische Regierungsinitiative ................................................... 303
V. VON INTERLAKEN NACH STRAßBURG (1948-1949)................. 321
1. Weichenstellung für Interlaken: Die EPU im Sommer 1948 ........ 321
2. Eine Verfassung für Europa: Der Kongress von Interlaken........ 334
3. Scheidung der Geister: Streit und Kompromiss mit London ........ 347
4. Die Spaltung: Rückzug der Briten und Skandinavier aus der EPU .. 369
5. Die Gründung des Europarats: Die EPU am Ziel? ....................... 380
VI. ZWISCHEN EUROPARAT UND »KARLSBUND« (1949-1952) ... 391
1. Das Kind als Erbe: Die erste Sitzung der Beratenden
Versammlung und der Kongress von Venedig ........................ 391
2. Wachsende Kluft: Die Europa-Bewegung im Streit um die
Schaffung einer »europäischen politischen Autorität«............ 401
3. Projekt Aussöhnung: Die deutsch-französischen ParlamentarierKonferenzen von Basel und Rheinfelden................................... 409
4. »Union Charlemagne«: Die Option für ein Europa der Sechs
beim Kongress von Konstanz.................................................... 420
5. Am Ende der Wegstrecke: Zerfall der EPU und Eingliederung
in die Europäische Bewegung.................................................... 431
POSTSKRIPTUM: DAS EUROPA DER LITERATEN UND DIE
PARLAMENTARISCHE DEMOKRATIE................................................. 447
SCHLUSS: PANEUROPA ALS GEOPOLITISCHES PROJEKT -
KONTEXTE UND KONTINUITÄTEN 1922-1952 ............................... 473
Abkürzungsverzeichnis................................................................................ 511
Quellen-und Literaturverzeichnis.............................................................. 513
Personenregister ........................................................................................... 555